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Waffenhandel - Ein Bombengeschäft

Der Waffenhandel blüht weltweit, auch der Handel mit Waffen im Internet. Ermittlung.

> Paul Moreira

Waffenhandel - Ein Bombengeschäft

Der Waffenhandel blüht weltweit, auch der Handel mit Waffen im Internet. Ermittlung.

 Waffenhandel - Ein Bombengeschäft

02/09/08

Paul Moreira

Ich wurde 1961 in der Nähe von Lissabon in Portugal geboren.

  • 1963 verließen meine Eltern das Land. Im Alter von drei Jahren kam ich nach Paris, wo ich im Quartier Latin aufwuchs. Meine Kindheit ist von den historischen Ereignissen geprägt, die ich hautnah miterlebte.
    Die Demos von Mai 68 sah ich auf meinem Schulweg, und die Nelkenrevolution erlebte ich während eines Portugalurlaubs im Sommer 1974. Mit offenen Augen und Ohren: Geschichte macht Lärm, da bewegt sich was, da fiebert man mit.
  • 1976: Erste Schülerzeitung, erste Schreibversuche.
    Nach zahlreichen Reisen und anderen Beschäftigungen Abschluss der Ausbildung mit einem Magister in Anthropologie und einem Diplom als Pressekorrespondent für den englischen Sprachraum
  • 1981: In „La Gueule Ouverte“, einer alternativen, von Coluche finanzierten Zeitung wird meine erste große Reportage aus England veröffentlicht. Sie handelt von den Unruhen in Brixton.
  • 1984: Ich ziehe für ein halbes Jahr nach New York. Dort entdecke ich die Sendung „60 Minutes“ auf CBS und schaue sie mir jeden Sonntagabend an – meine Hauptbeschäftigung …
  • 1985: Rückkehr nach Frankreich, wo ich als freier Journalist für Radio France Internationale arbeite.
  • 1986: Reporter für die investigative TV-Sendung „Droit de Réponse“ von Michel Polac auf dem Sender TF1, der 1987 von Bouygues aufgekauft wird. Binnen weniger Wochen wird die Sendung als zu respektlos abgesetzt, und alle werden entlassen.
  • 1988: Zusammenarbeit mit Bernard Langlois, der als Nachrichtensprecher von Antenne 2 ebenfalls entlassen worden war und dadurch einige Berühmtheit erlangt hatte (1982 waren der libanesische Präsident Bechir Gemayel und Grace Kelly am selben Tag gestorben, und Langlois betonte fatalerweise zu Beginn seiner Sendung, der Tod des Präsidenten sei wichtiger als das Ableben der Prinzessin). Langlois gründet die sozialistisch-ökologische, abonnentenfinanzierte Wochenzeitschrift Politis. Erste große Reportagen.
  • 1989: Erlebnis der rumänischen Revolution bei einer Familie in Timişoara. Ich erhalte Kost und Logis und werde an den Straßensperren der „Front der nationalen Rettung“ vorbeigeschleust; so erfahre ich, dass die Revolution von Jugendlichen getragen wurde. Die Militärs sehen ihnen misstrauisch zu. Doch die historische Gnadenfrist ist nur von kurzer Dauer. Drei Wochen später sind sie wieder an der Macht.
  • 1990

    - Februar: In Nicaragua erlebe ich den Sturz der Sandinisten. Nach zehn langen Jahren des Krieges, angezettelt von den durch die USA unterstützten Contras, gibt die Bevölkerung ihre Stimme mehrheitlich der Opposition. Die Sandinisten stehen zu ihren demokratischen Versprechen und danken ab, entgegen aller amerikanischen Propaganda, die ihnen Totalitarismus unterstellte.

    - April: Pressereise nach Kuba: Castro hat etwa hundert Journalisten geladen, um gegen einen castrofeindlichen Radiosender zu protestieren. Ich hege zunächst eine gewisse Sympathie für das kubanische Experiment, die jedoch nur zwei Stunden anhält. Schon bei den ersten Gesprächen mit Kubanern auf der Straße spüre ich die Angst, die „doble moral“, die Schizophrenie der Herrschenden. Auf Kuba herrscht eine unerträgliche Diktatur.

    - Mai: Brasilien – die Straßenkinder, die Telenovelas, das Geschäft mit dem Fußball. Die erste meiner vierundzwanzig Brasilienreisen.


  • 1991: Dokumentarfilm „Le mouve“ über die Hip-Hop-Bewegung in Frankreich für „Traverses“ auf France 3. Reportagen und Interviews mit jungen Bands wie NTM und IAM, die damals noch fast unbekannt waren. Der Film berichtet über diese neuen Stimmen aus den Arbeitervierteln.
  • 1992: Reporter für „Les années algériennes“ von Benjamin Stora, einer Dokumentationsreihe auf France 2 über die Narben des Algerienkrieges in der französischen Bevölkerung. Ein halbes Jahr lang spreche ich mit ehemaligen Kämpfern, denen noch nie jemand zugehört hat. Ich erforsche eines der dunkelsten und wichtigsten Kapitel der französischen Geschichte.
  • 1993 bis 1994: Freischaffender Auslandskorrespondent für das Fernsehen und das Magazin Actuel sowie für die Beilage der Zeitung Libération
  • Mai 1994: Mexikoreise für Actuel auf den Spuren eines kauzigen, stets maskierten Aufständischen; Veröffentlichung des ersten Porträts von Subcomandante Marcos.
  • 1995: Arbeit für die Agentur Capa. Umfangreiche Reportage für „Envoyé Spécial“ über Werbung für Kinder in den USA; Aufdeckung der Verbindung zwischen der Omnipräsenz von Junkfood und der um sich greifenden Fettleibigkeit im Land
  • 1996: Beginn als Auslandskorrespondent für „Le Vrai Journal“ auf Canal Plus. Indonesien, USA, Bolivien, Peru, Brasilien, Korea, Kanada, Italien, Großbritannien, Israel, Costa Rica. Mein Spitzname in der Redaktion: Joe Transit
  • 1997: Redaktionsleiter des „Vrai Journal“ auf Canal Plus. Die Genremischung beim investigativen Journalismus ist eine schwierige Aufgabe.
  • 1999: Beginn bei Canal Plus. Mit einem siebenköpfigen Journalistenkollektiv Gründung des vierteljährlich ausgestrahlten TV-Magazins „90 Minutes“, das sofort Erfolg hat. Ich erinnere mich an all die Sonntagabende in New York mit „60 Minutes“ - Connecting the dots?
  • 2002: Die Leitung von Canal Plus beauftragt mich mit der Einführung des wöchentlichen Sendeplatzes „Lundi Investigation“ (nach dem Modell des nunmehr monatlich ausgestrahlten „90 Minutes“).
  • 2002 bis 2006: Das Team von „90 Minutes“ sorgt dafür, dass der Selbstmord des Ministers Robert Boulin und der angebliche Selbstmord des Richters Bernard Borrel neu aufgerollt werden. Aufgrund einer unserer Reportagen muss Total einräumen, dass auf einer Baustelle des Unternehmens in Birma Zwangsarbeiter eingesetzt wurden. Journalismus kann die Welt verändern. Zumindest ein Stückchen von ihr.

    Während der ganzen Zeit mache ich ständig weiter Filme und bleibe nahe am Geschehen. Im April 2003 bin ich in Bagdad, als die Amerikaner die militärischen Auseinandersetzungen gewinnen und die Kontrolle über das Land verlieren. Im darauffolgenden Jahr kehre ich dorthin zurück. Weitere Einsatzorte: Gaza, die Türkei und Kambodscha.


  • 2004: Verleihung des Preises des Club de l’Audiovisuel für meine Insider-Reportage über bewaffnete Palästinensergruppen


  • 2006: Weggang von Canal Plus und Gründung der Agentur „Premières Lignes Télévision“, wo ich ausschließlich politische Dokumentarfilme drehe. Mein erster Film, „Irak: agonie d’une nation“, wird beim Internationalen Fernsehfestival von Monte Carlo ausgezeichnet und gewinnt auf dem Festival International du Grand Reportage d’Actualité den Prix de l’Investigation.


    Seitdem mache ich hauptsächlich Dokumentarfilme, mit denen ich die großen Fragen unserer Zeit ins Bewusstsein der Menschen rücken will.

    „Travailler à en mourir“ für den Sendeplatz „Infrarouge“ auf France 2

    „Mourir pour la voiture“ für Canal Plus

    „Waffenhandel – Ein Bombengeschäft“ (mit David André) für ARTE
    Ausstrahlung am 2. September 2008




Erstellt: 11-07-08
Letzte Änderung: 02-09-08