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Film - 13/10/11

Indies Demented

Eine Reportage von Florian Kummert

Septien – das ist keine außerirdische Spezies, sondern der neue Film von Michael Tully. Der wiederum ist Regisseur, Musiker und Blogger in einem. Und sein neuer Streich fast eine One-Man-Show: Drehbuch, Regie, Hauptrolle. Tully gibt das Sportgenie mit ungepflegtem Zauselbart und finsteren Abgründen.

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Gegen seinen Aufzug in Septien wirken die "Fleet Foxes" wie glattrasierte Bubis:. Michael Tully trägt in seinem Film "Septien" viel Gestrüpp im Gesicht und hats auch sonst nicht so mit der Hygiene. Ganz im Gegensatz zum Sport: denn da zockt er jeden ab, der ihn unterschätzt. Also mehr oder weniger alle.
Die Handlung geht ungefähr so: Das verkappte Sportgenie Cornelius Rawlings aka Michael Tully kehrt nach 18 Jahren erstmals wieder zur heimischen Redneckfarm zurück. Zur Freude von Ezra, dem ältesten Bruder, der gerne in Frauenkleidern die Gegend unsicher macht. Der dritte Bruder heißt Amos und malt in der Scheune Bilder voller abgerissener Genitalien. Zu den Bilderbuch-Knaben gesellen sich noch ein irrer Klempner, eine Nymphe und ein Gelegenheitsexorzist. "Septien" ist folglich so weit entfernt vom Hollywood-Mainstream wie der Teufel vom Weihwasser. Und zwar absichtlich.
 
Michael Tully: Ich mag Filme, die was wagen, in denen man die Persönlichkeit der Künstler auf der Leinwand sieht. Wenn aber Hollywood bei mir mal an die Tür klopft, was nach Septien sicher nicht passieren wird, würde ich nicht nein sagen. Ich hätte nichts gegen eine Krankenversicherung, oder ein eigenes Haus. Aber so wird das wohl nichts.
 
So viel Realismus hat eigentlich einen Orden verdient. Wenn Tully nicht gerade dreht oder auf Filmfestivals abhängt, lebt er in Brooklyn, sportelt gerne, arbeitet online als Filmkritiker oder macht Kreditkartenschulden für neue Projekte. Denn die finanziert er üblicherweise selbst. Sein Team arbeitet umsonst, weil Tully sie begeistern kann. Selbst wenn es um weniger absurden als verstörenden Stoff geht, wie in seinem ersten Film: ‚Cocaine Angel’. Ein Drogensüchtiger gammelt sich da ein paar Tage lang durch L.A., von Tully so nüchtern inszeniert, dass man es als Zuschauer nicht ganz leicht hat. Nach dem gleichen Prinzip läuft auch ‚Silver Jew’ – von Tully ursprünglich als Doku über eine Isreal-Tour der Band Silver Jews gedacht, gipfelt der Film in der persönlichen Katharsis des Sängers an der Klagemauer. Ein Typ, der seine inneren Dämonen besiegt, genau Tullys Thema. Damit spielt er auch in ‚Septien’ und mixt fröhlich Drama, Horrorstreifen, Komödie und Sportfilm dazu.
 
Michael Tully:  Ich dachte mir: Wer weiß ob ich mich jemals wieder traue, einen weiteren Film zu drehen? Vielleicht beende ich ja meine Karriere, die ich sowieso nie hatte. Also war mir klar: in den Film pack ich alles rein.
 
Es lohnt sich also, genau aufzupassen, wenn unter ‚Regie’ der Name Michael Tully steht. Tracks hat sich von ihm unter anderem zeigen lassen, wie man die besten Basketball-Trickshots gleich beim ersten Mal in den Kasten kriegt.


>> Web-Bonus: Interview mit Michael Tully


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Dienstag 18. Oktober 2011 um 05.00 Uhr
Keine Wiederholungen
(Deutschland, 2011, 52mn)
BR

Erstellt: 29-09-11
Letzte Änderung: 13-10-11